Wie sich Haushaltsgeräte auf Trinkwasser auswirken

Rückfluss, Temperatur und Biofilme im Alltag

Warum Haushaltsgeräte Teil des Trinkwassersystems sind

Waschmaschinen, Warmwasserboiler oder Durchlauferhitzer werden im Alltag selten als Teil des Trinkwassersystems wahrgenommen. Technisch sind sie es jedoch. Sie sind direkt an die Hausinstallation angeschlossen und beeinflussen, wie Wasser fließt, wie lange es steht und welchen Temperaturen es ausgesetzt ist. Dadurch können sie indirekt die Qualität des Trinkwassers an Entnahmestellen im Haushalt mitprägen.

Der Einfluss entsteht nicht durch das Gerät an sich, sondern durch die Kombination aus Anschlussart, Nutzungsverhalten und hydraulischer Einbindung in das Hausnetz.


Temperatur als zentraler Einflussfaktor

Warmwassergeräte verändern das mikrobiologische Umfeld

Warmwasserboiler und Durchlauferhitzer bringen Trinkwasser regelmäßig in Temperaturbereiche, die biologisch relevant sind. Temperaturen zwischen etwa 25 °C und 45 °C gelten als besonders günstig für mikrobielles Wachstum, insbesondere für Biofilme in Leitungen. Wenn Wasser längere Zeit in diesem Temperaturbereich verweilt, können sich mikrobiologische Gemeinschaften stabilisieren, auch ohne dass Krankheitserreger vorhanden sein müssen.

Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt, dass Temperatur einer der entscheidenden Steuerfaktoren für mikrobiologische Prozesse in Trinkwassersystemen ist und insbesondere in Gebäuden eine größere Rolle spielt als im Versorgungsnetz [World Health Organization, Guidelines for Drinking-water Quality, https://www.who.int/publications/i/item/9789241549950].

Temperaturschwankungen begünstigen Biofilmbildung

In Haushalten mit wechselndem Warmwasserbedarf entstehen häufig Temperaturwechsel in angrenzenden Leitungsabschnitten. Diese Zonen sind weder dauerhaft kalt noch dauerhaft heiß. Studien zeigen, dass genau solche Übergangsbereiche besonders biofilmfreundlich sind, da sie stabile Lebensbedingungen bieten, ohne thermischen Stress zu erzeugen [DVGW, Arbeitsblatt W 551].


Rückfluss und Druckverhältnisse

Warum Rückfluss nicht gleich Rückverkeimung bedeutet

Moderne Hausinstallationen sind mit Rückflussverhinderern ausgestattet. Diese verhindern, dass Wasser aus Haushaltsgeräten in das öffentliche Netz zurückgelangt. Innerhalb des Hauses können jedoch lokale Rückströmungen auftreten, etwa durch Druckschwankungen beim Start von Waschmaschinen oder beim Aufheizen von Warmwasser.

Solche Rückströmungen führen nicht automatisch zu hygienischen Problemen, können aber den Wasseraustausch in bestimmten Leitungsabschnitten verlangsamen. Dadurch verlängert sich die Verweilzeit des Wassers, was wiederum die Wirkung von Temperatur und Materialkontakt verstärkt. Beispielsweise wird das Wasser wärmer, wenn es länger steht. [Umweltbundesamt, Trinkwasser in Gebäuden, https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/ratgeber-trink-was-trinkwasser-aus-hahn].

Waschmaschinen als hydraulische Sonderfälle

Waschmaschinen arbeiten mit stoßartigen Wasserentnahmen. Diese kurzen, intensiven Druckänderungen können das Fließverhalten im Hausnetz beeinflussen. Besonders in älteren Installationen oder bei langen Leitungswegen können dadurch Bereiche entstehen, die hydraulisch kaum durchspült werden, obwohl das Haus regelmäßig Wasser nutzt.


Biofilme in angeschlossenen Leitungen

Warum Biofilme nicht sichtbar sind

Biofilme sind dünne mikrobielle Schichten an Innenoberflächen von Leitungen. Sie sind ein natürlicher Bestandteil jedes Trinkwassersystems. Haushaltsgeräte können ihre Ausprägung beeinflussen, indem sie Temperatur, Durchfluss und Stillstandszeiten verändern.

Biofilme sind nicht per se problematisch. Sie werden erst relevant, wenn sie durch lange Verweilzeiten oder günstige Wachstumsbedingungen stärker ausgeprägt werden. Die WHO weist darauf hin, dass Biofilme vor allem dort wachsen, wo Wasser langsam fließt und regelmäßig temperiert wird [Umweltbundesamt, https://www.umweltbundesamt.de/publikationen/ratgeber-trink-was-trinkwasser-aus-hahn].

Selten genutzte Geräteanschlüsse

Geräte, die nur gelegentlich genutzt werden, wie Warmwasserboiler in Ferienwohnungen oder Waschmaschinen in Nebenräumen, können lokale Stagnationsbereiche erzeugen. Diese wirken sich nicht sofort auf das gesamte Haus aus, beeinflussen aber die Wasserqualität an angrenzenden Entnahmestellen.


Was das für den Alltag bedeutet

Haushaltsgeräte machen Trinkwasser nicht automatisch schlechter. Sie verändern jedoch die Rahmenbedingungen, unter denen Wasser im Haus genutzt wird. Temperatur, Druckwechsel und Stillstandszeiten wirken zusammen und bestimmen, wie schnell Wasser erneuert wird und wie stabil sich das System verhält.

Ein bewusster Umgang hilft, diese Effekte einzuordnen. Dazu gehören regelmäßige Nutzung aller angeschlossenen Entnahmestellen, kurzes Spülen nach längerer Nichtnutzung und eine Installation, die unnötige Totleitungen vermeidet.


Fazit

Haushaltsgeräte sind keine isolierten Verbraucher, sondern Teil des Trinkwassersystems im Gebäude. Sie beeinflussen Temperaturverläufe, hydraulische Bedingungen und damit auch mikrobiologische Prozesse. Wer diese Zusammenhänge versteht, kann Wasserqualität im Alltag besser einschätzen und sinnvoll damit umgehen.

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