Warum Leitungswasser in verschiedenen Etagen unterschiedlich schmecken kann

Warum Leitungswasser in verschiedenen Etagen unterschiedlich schmecken kann

Ein bekanntes Phänomen, selten erklärt

Viele Menschen berichten, dass Leitungswasser im Erdgeschoss anders schmeckt als im Dachgeschoss. Manche empfinden das Wasser „frischer“, andere „flacher“ oder „metallischer“. Obwohl das Wasser aus derselben Hausanschlussleitung stammt, kann es sich an verschiedenen Entnahmestellen tatsächlich unterscheiden.

Der Grund liegt nicht in der Wasseraufbereitung, sondern in den physikalischen und materiellen Bedingungen innerhalb des Gebäudes.

Druck, Höhe und Verweilzeit

Höhenunterschiede beeinflussen den Wasseraustausch

In mehrstöckigen Gebäuden wirken unterschiedliche Druckverhältnisse. Je höher die Etage, desto geringer der statische Wasserdruck. Das hat Auswirkungen auf die Fließgeschwindigkeit und damit auf den Wasseraustausch in den Leitungen.

Geringerer Durchfluss bedeutet in der Praxis oft längere Verweilzeiten, insbesondere in wenig genutzten Strängen. Die Weltgesundheitsorganisation beschreibt Verweilzeit als einen zentralen Faktor für Veränderungen der Wasserbeschaffenheit in Gebäuden [BVL Bund, https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/01_Lebensmittel/UBA_Umgang_mit_Trinkwasser.pdf?__blob=publicationFile&v=4].

Materialkontakt entlang der Steigleitungen

Wasser reagiert mit dem, was es berührt

Zwischen Hausanschluss und oberster Etage durchläuft Wasser oft mehrere Meter Steigleitung. Je nach Baujahr und Installation können dabei unterschiedliche Materialien beteiligt sein, etwa Kupfer, Edelstahl, Kunststoff oder Messing.

Während der Standzeit nimmt Wasser geringe Mengen gelöster Stoffe aus diesen Materialien auf. Diese Konzentrationen sind in der Regel unproblematisch, können aber sensorisch wahrnehmbar sein. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass Veränderungen im Geschmack häufig durch Materialkontakt in der Gebäudeinstallation entstehen [BVL Bund, https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/01_Lebensmittel/UBA_Umgang_mit_Trinkwasser.pdf?__blob=publicationFile&v=4].

Nutzungsmuster verstärken Unterschiede

Küche ist nicht gleich Bad

In vielen Haushalten wird Wasser im Erdgeschoss häufiger genutzt als in oberen Etagen. Küchenleitungen werden mehrmals täglich durchspült, während Gäste- oder Dachbäder teilweise nur sporadisch genutzt werden.

Diese unterschiedlichen Nutzungsmuster führen dazu, dass Wasser in oberen Etagen oft länger im Leitungssystem verbleibt. Das erklärt, warum sich Geschmack oder Geruch beim ersten Zapfen unterscheiden können, auch wenn das Wasser nach kurzer Zeit identisch ist.

Temperatur spielt eine unterschätzte Rolle

Warmes Umfeld verändert Wasser schneller

Leitungen in oberen Etagen verlaufen häufiger in wärmeren Zonen, etwa unter dem Dach oder in gedämmten Schächten. Höhere Umgebungstemperaturen beschleunigen chemische Gleichgewichte und beeinflussen sensorische Eigenschaften.

Die WHO beschreibt Temperatur als wichtigen Einflussfaktor für physikalisch-chemische Veränderungen von Trinkwasser innerhalb von Gebäuden [BVL Bund, https://www.bvl.bund.de/SharedDocs/Downloads/01_Lebensmittel/UBA_Umgang_mit_Trinkwasser.pdf?__blob=publicationFile&v=4].

Was das im Alltag bedeutet

Kurz spülen reicht oft aus

Unterschiede im Geschmack sind meist kein Hinweis auf schlechtere Wasserqualität, sondern auf lokale Systemeffekte. Ein kurzes Ablaufenlassen des Wassers sorgt für Austausch mit frischem Leitungswasser aus dem Hauptstrang und gleicht sensorische Unterschiede in der Regel aus.

Systeme ganzheitlich betrachten

Wer Wasserqualität im Haushalt verbessern möchte, sollte nicht nur auf die Quelle achten, sondern auch auf Leitungslängen, Nutzungshäufigkeit und Entnahmestellen. Filtrationslösungen können ergänzend eingesetzt werden, wenn sie auf die tatsächlichen Systembedingungen abgestimmt sind.

Fazit

Leitungswasser kann sich innerhalb eines Gebäudes unterschiedlich anfühlen oder schmecken, obwohl es aus derselben Quelle stammt. Ursache sind Druckverhältnisse, Verweilzeiten, Materialkontakt und Nutzungsmuster. Wer diese Zusammenhänge kennt, kann Veränderungen besser einordnen und im Alltag sinnvoll reagieren.

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