Metalle im Trinkwasser – warum Kupfer, Nickel und Blei meist im Haushalt entstehen

Metalle im Trinkwasser – warum Kupfer, Nickel und Blei meist im Haushalt entstehen

Metalle im Trinkwasser werden häufig dem Wasserwerk zugeschrieben. Tatsächlich entstehen erhöhte Metallkonzentrationen in den meisten Fällen erst innerhalb der Hausinstallation. Der Kontakt zwischen Wasser und Rohrmaterialien, Armaturen und Fittings bestimmt, was letztlich aus dem Wasserhahn kommt.

Kupfer ist ein typisches Beispiel. Es wird seit Jahrzehnten in Trinkwasserinstallationen eingesetzt und ist grundsätzlich zugelassen. Dennoch zeigen Untersuchungen, dass Kupferkonzentrationen insbesondere nach Stagnationsphasen deutlich ansteigen können. Ursache ist die Korrosion der Rohrinnenflächen, die durch pH-Wert, Temperatur und Verweilzeit beeinflusst wird. Das Umweltbundesamt weist darauf hin, dass erhöhte Kupferwerte häufig erst im Haushalt gemessen werden, nicht im Versorgungsnetz [UBA, Kupfer im Trinkwasser, https://www.umweltbundesamt.de/themen/wasser/trinkwasser/trinkwasseraufbereitung/kupfer-im-trinkwasser]

Nickel tritt vor allem im Zusammenhang mit verchromten Armaturen und Edelstahllegierungen auf. Besonders neue Bauteile können in den ersten Monaten messbare Mengen abgeben. Studien zeigen, dass Nickelkonzentrationen stark von Stagnationszeit und Temperatur abhängen und sich durch kurzes Ablaufenlassen deutlich reduzieren lassen. Aus regulatorischer Sicht ist Nickel deshalb ein klassischer „Installationsparameter“ [World Health Organization, Guidelines for Drinking-water Quality, https://www.who.int/publications/i/item/9789241549950]

Blei stellt den kritischsten Fall dar. Auch wenn Bleirohre in vielen Ländern seit Jahren verboten sind, existieren sie in Altbauten weiterhin. Zusätzlich können Messinglegierungen mit Bleianteilen zur Freisetzung beitragen. Epidemiologische Studien zeigen, dass selbst sehr niedrige Bleikonzentrationen langfristig gesundheitlich relevant sein können, insbesondere für Kinder. Aus diesem Grund gibt es keinen toxikologisch sicheren Schwellenwert für Blei [European Food Safety Authority, Lead dietary exposure, https://www.efsa.europa.eu/en/topics/topic/lead]

Regulatorisch werden Metalle über Grenzwerte adressiert, die am Zapfhahn gelten. Damit wird anerkannt, dass der Haushalt ein wesentlicher Entstehungsort ist. Die europäische Trinkwasserrichtlinie fordert explizit, Materialien und Installationen so zu gestalten, dass Metallabgaben minimiert werden [European Commission, Drinking Water Directive (EU) 2020/2184, https://eur-lex.europa.eu/eli/dir/2020/2184/oj]

Für den Alltag bedeutet das: Metallbelastungen sind keine abstrakte Gefahr, sondern hängen stark von Nutzung und Installation ab. Stagnation, Warmwasser und neue Bauteile erhöhen die Wahrscheinlichkeit erhöhter Werte. Kurzes Spülen nach längerer Standzeit kann die Belastung deutlich reduzieren, ersetzt jedoch keine materialgerechte Planung.

Metalle kommen selten aus dem Wasserwerk.
Sie entstehen auf den letzten Metern.

Mehr dazu auf sydros.de

Zurück zum Blog