Die Illusion von „zertifiziert sicher“: Was Trinkwasser-Zertifizierungen leisten – und was nicht

Die Illusion von „zertifiziert sicher“: Was Trinkwasser-Zertifizierungen leisten – und was nicht

Begriffe wie „zertifiziert“, „geprüft“ oder „zugelassen“ vermitteln beim Thema Trinkwasser ein hohes Sicherheitsgefühl. Zertifizierungen sind wichtig, werden jedoch häufig missverstanden. Zertifiziert bedeutet rechtlich zulässig – nicht automatisch biologisch unbedenklich.

Wofür Trinkwasser-Zertifizierungen konzipiert sind

Trinkwassernormen dienen in erster Linie dazu, akute Gesundheitsgefahren zu verhindern. Sie legen Grenzwerte für einzelne Stoffe fest und stellen sicher, dass diese unter definierten Testbedingungen eingehalten werden. Eine Zertifizierung bestätigt die Einhaltung dieser Mindestanforderungen.

Nicht berücksichtigt werden dabei individuelle Unterschiede, Dauerbelastungen oder langfristige Niedrigdosis-Effekte.

Grenzwerte sind keine Nullwerte

Ein Stoff unterhalb des Grenzwerts gilt als zulässig, nicht als wirkungslos. Viele Substanzen bleiben auch in sehr geringen Konzentrationen chemisch oder biologisch aktiv. Grenzwerte definieren Akzeptanzbereiche, keine vollständige Abwesenheit.

Zertifizierung bedeutet daher Normkonformität, nicht Belastungsfreiheit.

Einzelstoffprüfung vs. Mischrealität

Zertifizierungen betrachten Stoffe in der Regel einzeln. Trinkwasser ist jedoch immer ein Gemisch aus vielen Spurenstoffen, die gleichzeitig aufgenommen werden. Biologische Systeme reagieren auf Kombinationen, nicht auf isolierte Einzelwerte.

Diese Diskrepanz wird in regulatorischen Prüfverfahren kaum abgebildet.

Was Zertifizierungen nicht erfassen

Nicht bewertet werden kumulative Aufnahme, lebenslange Exposition oder Wechselwirkungen zwischen Stoffen. Auch sensible Gruppen wie Kinder, Schwangere oder Menschen mit eingeschränkter Entgiftungsleistung werden nur begrenzt berücksichtigt.

Normerfüllung stellt eine Basis dar – keine Optimierung.

Warum das für Verbraucher relevant ist

Wer sich ausschließlich auf Zertifizierungen verlässt, übersieht mögliche Langzeitbelastungen. Trinkwasserqualität sollte nicht nur als rechtliche Kategorie betrachtet werden, sondern als dauerhafte Exposition im Alltag.

Zertifizierung ist der Anfang.
Nicht das Ende von Verantwortung für sauberes Wasser.

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