Alternde Rohrleitungen: Der stille Risikofaktor im modernen Trinkwasser

Alternde Rohrleitungen: Der stille Risikofaktor im modernen Trinkwasser

Wenn über Trinkwasserqualität gesprochen wird, stehen meist Aufbereitungstechnologien und Grenzwerte im Vordergrund. Ein entscheidender Faktor bleibt dabei oft unbeachtet: das Alter der Rohrleitungen, durch die das Wasser transportiert wird. In vielen Städten sind diese Leitungen mehrere Jahrzehnte alt – mit direkten Auswirkungen auf die Wasserqualität.

Wasser bleibt nach der Aufbereitung nicht unverändert. Das Leitungsnetz wird Teil der Belastungskette.

Alte Infrastruktur ist der Regelfall

Große Teile der Trinkwassernetze in Europa wurden im letzten Jahrhundert gebaut. Viele Rohrleitungen sind deutlich älter als ihre ursprünglich geplante Nutzungsdauer. Auch wenn sie hydraulisch noch funktionieren, verändert sich ihre materialtechnische und chemische Beschaffenheit über die Zeit.

Diese Veränderungen erfolgen schleichend und bleiben meist unsichtbar.

Korrosion und Materialalterung

Mit zunehmendem Alter verändern sich die Innenflächen von Rohrleitungen. Metallische Leitungen bilden Korrosionsschichten, Beschichtungen verlieren ihre Schutzwirkung, Kunststoffe altern. Dadurch verändert sich die Wechselwirkung zwischen Wasser und Rohrmaterial.

Korrosion kann Metalle wie Eisen, Kupfer oder Blei freisetzen. Materialabbau kann zu erhöhter Partikelbelastung oder veränderten chemischen Reaktionen im Wasser führen.

Biofilme im Leitungsnetz

Alternde Rohrleitungen begünstigen die Bildung von Biofilmen. Diese mikrobiellen Strukturen haften an den Innenwänden der Rohre und sind auch in aufbereiteten Wassersystemen normal. Biofilme verändern jedoch die chemische Dynamik des Wassers.

Sie können Desinfektionsmittel abbauen, Stoffwechselprodukte freisetzen und bei Strömungsänderungen Material ins Wasser abgeben, was zu schwankender Qualität am Wasserhahn führt.

Warum Spülen allein nicht ausreicht

Wasserversorger spülen Leitungsnetze regelmäßig und passen die Aufbereitung an. Diese Maßnahmen sind wichtig, können die Effekte alternder Infrastruktur jedoch nur begrenzen. Spülungen können kurzfristig Ablagerungen lösen und damit zeitweise Belastungsspitzen verursachen.

Zentrale Aufbereitung hat keinen vollständigen Zugriff auf das Innere alter Leitungen.

Die relevante Belastung entsteht am Zapfpunkt

Aus gesundheitlicher Sicht ist entscheidend, was tatsächlich aus dem Hahn kommt. Alternde Rohrleitungen beeinflussen genau diesen letzten Abschnitt. Selbst bei normgerechter Aufbereitung können verteilungsbedingte Veränderungen die finale Wasserqualität bestimmen.

Rohralter ist damit ein stiller, aber zentraler Risikofaktor.

Warum der Blick auf den Haushalt entscheidend ist

Trinkwasserqualität lässt sich nicht allein an der Quelle bewerten. Die Bedingungen im Leitungsnetz und im Gebäude spielen eine wesentliche Rolle. Ein haushaltsnaher Blick berücksichtigt das Wasser so, wie es wirklich genutzt wird.

Trinkwassersicherheit endet nicht im Wasserwerk.
Sie entsteht – oder verändert sich – auf dem Weg dorthin.

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